09.11.2011 | Ausstellung: “Linie und Skulptur im Dialog”
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9. November 2011 bis 5. Februar 2012
Linie und Skulptur im Dialog: Rodin, Giacometti, Modigliani … Werke aus der Sammlung Kasser/Mochary Family Foundation, USA
Die Linie ist ein zentrales Thema für die Bildhauerei des 20. Jahrhunderts. Anhand von Meisterwerken der klassischen Moderne beleuchtet die von Dr. Beate Kemfert, Kuratorin und Stiftungsvorstand der Opelvillen, konzipierte Ausstellung in der spannungsvollen Gegenüberstellung von Skulptur und Zeichnung die Faszination der Linie auf die Künstler.
„Bei der Überlegung, wie die Sammlung der Kasser/Mochary Family Foundation selektiv und doch signifikant vorgestellt werden kann, standen wie bei jedem Ausstellungsvorhaben Fragen der Kunstentwicklung im Vordergrund“, so Beate Kemfert. Ihr Konzept entwickelte sie, nachdem sie die umfangreiche Sammlung komplett gesichtet hatte.
Auguste Rodins berühmte Bronzeskulptur L’éternelle idole (Das ewige Idol) aus dem Jahr 1893, mit deren Ankauf das Ehepaar Kasser 1971 seine Sammlung gründete, kündigt bereits an, womit sich die Bildhauerei des 20. Jahrhunderts verstärkt beschäftigen sollte: die Linie. Anhand von über fünfzig Meisterwerken aus der hochkarätigen Kunstsammlung der Kasser/Mochary Family Foundation wagt Linie und Skulptur im Dialog in der Gegenüberstellung von Skulptur und Zeichnung einen aufschlussreichen Blick auf die Kunst der Moderne und ihre Entwicklung hin zur Abstraktion.
Es waren vor allem Maler und Zeichner wie Henri Matisse, Paul Gauguin oder André Derain, die mit ihren plastischen Werken entscheidende Neuerungen für die Entwicklung der modernen Skulptur gebracht haben. Der betonte Einsatz von geschwungenen, kurvigen Linien, ihre Überschneidungen und Gegenüberstellungen, schnelle und bewegte Strichführungen boten neue Möglichkeiten, Volumen zu erzeugen und Deformationen oder Abstraktionen zu erzielen.
Auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombinationen verdeutlichen dabei den Facettenreichtum der unterschiedlichen ästhetischen Lösungen: In Rodins Léternelle idole etwa wird in einer ganz ähnlichen Weise versucht, mittels der Linie Volumina zu erzeugen, wie in einer ungegenständlichen Zeichnung von Moholy-Nagy, während Zeichnungen und Skulpturen von Giacometti anschaulich die Rolle der Linie beim Schaffen von Oberflächenstruktur widerspiegeln. In Alexander Archipenkos Flat Torso wiederum ist die Figur ganz aus der Reduktion auf die Linie heraus entwickelt. Im Fokus auf die Linie entfaltet sich so eine oft überraschende Sicht auf die Skulptur des 20. Jahrhunderts.
Meisterwerke aus der bedeutenden Kasser/Mochary Family Foundation
Die 1969 von Alexander und Elisabeth Kasser in den USA gegründete Kasser Art Foundation wurde 2011 in Kasser/Mochary Family Foundation umbenannt. Das Ehepaar Kasser verließ Ungarn nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie waren in Budapest Zeugen und unentbehrliche Helfer im Kampf gegen den Holocaust, wofür Alexander Kasser 1997 der Titel „Gerechter unter den Völkern“ des Staates Israel verliehen wurde.
In den USA wurde es den Kassers wieder möglich, ihre Sammeltätigkeit aufzunehmen und sich der Musik und bildenden Kunst neu zu widmen. Elisabeth Kasser hatte Kunstgeschichte in Budapest studiert, und Alexander Kasser folgte seiner frühen Leidenschaft. In den 1970er-Jahren reisten sie immer wieder nach Europa, nicht zuletzt um Kunstwerke europäischen Ursprungs zusammenzutragen.
Linie und Skulptur im Dialog zeigt unter anderem Werke von Jean Arp, Alexander Archipenko, Paul Cézanne, Giorgio de Chirico, Edgar Degas, Max Ernst, Paul Gauguin, Alberto Giacometti, Henri Matisse, Amedeo Modigliani, László Moholy-Nagy, Auguste Rodin und Henry Moore.
„Unser besonderer Dank gilt den Partnern, die wir für Linie und Skulptur im Dialog gewinnen konnten“, sagt Beate Kemfert. Neben der Sparkassen-Stiftung Groß-Gerau und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen stellt auch die Hessische Kulturstiftung finanzielle Mittel zur Verfügung.
Beate Kemfert hat Linie und Skulptur im Dialog zunächst für die Opelvillen konzipiert. Die Ausstellung wird anschließend in zwei weiteren namhaften Häusern gezeigt: vom 12. Mai bis zum 16. September 2012 im Museum für Neue Kunst in Freiburg und vom 9. Dezember 2012 bis zum 17. Februar 2013 im Stadtmuseum Jena.
Bei der Vernissage in Rüsselsheim werden die Leihgeber aus den USA, Mary Mochary und Michael Kasser, zugegen sein. „Über diese Anerkennung unserer Arbeit freuen wir uns natürlich sehr“, sagt Beate Kemfert.
Vom 9. November 2011 bis zum 5. Februar 2012 ist die Ausstellung mittwochs und donnerstags von 10 bis 21 Uhr sowie freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Der von Beate Kemfert mit Angela Gratzl herausgegebene Katalog erscheint im Hirmer Verlag auf Deutsch und Englisch, 128 Seiten, 65 Abbildungen in Farbe. Während der Ausstellung ist der Katalog in den Opelvillen zum Preis von 19,90 Euro erhältlich, im Buchhandel kostet er 24, 90 Euro.
Die Linie ist ein zentrales Thema für die Bildhauerei des 20. Jahrhunderts. Anhand von Meisterwerken der klassischen Moderne beleuchtet der Band in der spannungsvollen Gegenüberstellung von Skulptur und Zeichnung die Faszination, die das darstellerische Mittel der Linie auf die Künstler ausübte… [online bestellen]
Der von Beate Kemfert mit Angela Gratzl herausgegebene Katalog erscheint im Hirmer Verlag auf Deutsch und Englisch, 128 Seiten, 65 Abbildungen in Farbe. Während der Ausstellung ist der Katalog in den Opelvillen zum Preis von 19,90 Euro erhältlich, im Buchhandel kostet er 24, 90 Euro.
Linie und Skulptur im Dialog
Rodin, Giacometti, Modigliani…
Hrsg. Beate Kemfert & Angela Gratzl
Sofort lieferbar. Erscheint November 2011
128 Seiten, 51 Farbtafeln und 7 Abbildungen in Farbe
21 x 26,5 cm, gebunden
ISBN: 978-3-7774-4121-4
24,90 € [D] | 35,90 SFR [CH]
Der Katalog ist auch während der Ausstellung in den Opelvillen erhältlich.
Jonathan Porz, der eine dreizehnte Klasse der Gustav-Heinemann-Schule besucht, hat einen Audioguide zur Ausstellung “Linie und Skulptur” für junge Opelvillengäste entwickelt. Der Abiturient stellt darin zwölf Werke der aktuellen Ausstellung in seinen eigenen Worten vor. Dabei beschreibt er vor allem die Suche nach den Linien in den Werken. Besonders interessiert haben ihn die reduzierten Formen von Alexander Archipenkos Flat Torso oder die Tuschezeichnung Anochecer von Ricardo Ulloa Garay, die aus einer einzigen fortlaufenden Linie zu bestehen scheint. Für seinen rund dreißigminütigen Audioguide hat der Schüler mehrere Monate in den Opelvillen recherchiert. Das Projekt entstand als besondere Lernleistung neben dem laufenden Unterricht.
Auf der Website der Opelvillen stellt Jonathan Porz seinen Audioguide zum kostenlosen Download im MP3-Format zur Verfügung. Mit einem Smartphone können Besucherinnen und Besucher der Ausstellung die Beiträge auch während des Rundgangs abrufen. Bei „YouTube“ findet man sie unter Eingabe des Ausstellungstitels Linie und Skulptur im Dialog.
Bis Ende Dezember 2011 Parsa Ghassemian
east surviving in the west, Wer bin ich? – Wer möchte ich sein?
Der in Großbritannien aufgewachsene persischstämmige Fotograf Parsa Ghassemian nutzt das „Labor“ der Opelvillen noch bis Ende Dezember als Gastatelier. Am Samstag, 19. November, 20 Uhr, laden der Künstler und Opelvillen-Mitarbeiterin Jutta Stocksiefen zu einem Abend mit indischem Essen und Bar ins „Labor“ ein. Neben Fotografien von Sikh-Hochzeiten, die er unter dem Titel east surviving in the west zeigt, werden auch neue Arbeiten aus dem Projekt Wer bin ich? – Wer möchte ich sein? zu sehen sein. Im Rahmen dieses Projekts, das während seiner Zeit als Gastkünstler im „Labor“ entstand, fotografiert Ghassemian junge Leute ab 12 Jahren. Interessierte haben die Möglichkeit, sich am Abend des 19. Novembers oder zu einem anderen Zeitpunkt porträtieren zu lassen. Alle Fotografien werden Ende Dezember in einer Finissage präsentiert.
Seit vergangenem Jahr fördert die Stiftung Opelvillen Künstlerinnen und Künstler aus der Region, indem sie das „Labor“ im Keller der Villen als Gastatelier zur Verfügung stellt. Die Opelvillen unterstützen mit diesem Angebot vor allem experimentelle künstlerische Arbeiten.
Das „Labor“ ist bis Ende Dezember freitags von 12 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.
Kontakt: Telefon 0176/65 88 10 11, E-Mail: parsapress@hotmail.com. Weitere Informationen zu Parsa Ghassemian gibt es unter www.parsapress.de